Herzlich willkommen auf der Internetpräsenz der OMV Ostholstein!
An dieser Stelle erscheint zum Monatsanfang und bei aktuellen Anlässen ein Vorwort des Herausgebers.
Liebe Leserin, lieber Leser,
in einem immer enger zusammenwachsenden Europa sollte den häufig in Vergessenheit geratenen deutschen Volksgruppen in Europa endlich wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dabei muss man etwas über ihre Entstehungsgeschichte wissen. Schon im 12. Jh. holte der ungarische König Geza II. deutsche Siedler aus dem Rhein- und Moselgebiet nach Siebenbürgen. 1226 ersuchte der Herzog von Masowien den Deutschen Orden um Schutz gegen die heidnischen baltischen Pruzzen. Im Schutze des Deutschen Ordens und der Deutschen Schwertbrüderschaft entstanden im späteren West- und Ostpreußen sowie im Baltikum blühende Städte und Dörfer zwischen Danzig und Reval, gegründet von deutschen Kaufleuten, Bauern, und Handwerkern im Zusammenwirken mit der Hanse. Das Gleiche geschah auf dem Balkan. Nach dem Einfall der Mongolen 1241 in Ungarn, das um die Hälfte seiner Einwohner reduziert worden war, warb der ungarische König Bela IV. zum Aufbau der zerstörten Ländereien um die Einwanderung deutscher Siedler. Über die Donau folgten Tausende seinem Ruf in Flussbooten auf den sog. „Ulmer Schachteln“ vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer, wo sie auch dort mit viel Fleiß gegen häufige Überfälle von Tataren und Türken unter großen Opfern arbeiteten und die deutsche Kultur verbreiteten. Seit Ende des 17. Jh. folgten wiederum viele Süddeutsche u. Lothringer dem Rufe der habsburger Kaiser Karl VI., Kaiserin Maria-Theresia u. Joseph II. in das Banat. Im 18. Jh. holte auch Katharina d. Gr. viele Deutsche nach Russland, wo sie beiderseits der Wolga siedelten. Dort gründeten die Deutschen später sogar in einem eigenen Gebiet die Wolga-Republik mit der Hauptstadt Saratow.
Durch die aufkommenden Nationalstaaten im 19. Jh. und die sich teilweise noch bis heute auswirkenden Nationalismen, besonders nach den beiden Weltkriegen, kam es zu einer starken zwangsweisen Rückwärtsbewegung und Reduzierung der Deutschen in ihren angestammten Siedlungsgebieten Europas.
Erschreckend hoch waren die Verluste der deutschen Bevölkerung und ihrer Dörfer und Städte in den deutschen Ostgebieten und auf dem Balkan. Auf Befehl Stalins hatten die von der Roten Armee eroberten Staaten wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Jugoslawien, Polen und Tschechei die Deutschen erbarmungslos zu vertreiben. Von 14 Mio. Vertiebenen kamen mindestens 2 Mio. durch Flucht, Vertreibung, Vergewaltigungen, Zwangsaussiedlung und Verschleppung in die Sowjetunion um. Während Rumänien und Ungarn sich stets der in Jahrhunderten enormen Aufbauleistungen deutscher Siedler bewusst waren und die Deutschen nur ungern aussiedelten, war die von Hass und Vergeltung geprägte Vertreibung in Polen, Jugoslawien und der Tschechei umso grausamer, ganz zu schweigen von der schon 1941 beim Einmarsch der deutschen Truppen in der Sowjetunion nach Kasachstan und Sibirien zwangsumgesiedelten Wolgadeutschen unter Auflösung ihrer einst autonomen Republik. Tausende der deutschen Volksgruppen kamen um.
Nach der Grenzöffnung 1989/90 setzte eine neue Welle der Rückwanderung in das Land ihrer Väter, also ins Kernland nach Deuschland ein. Mindestens 2 Mio. Russland-Deutsche misstrauten den Verhältnissen in den neuen Republiken aus der ehemaligen Konkursmasse des Sowjetreiches, wie z. B. der Nationalisierung und Islamisierung in Kasachstan oder aus wirtschaftlichen und politischen wie in Rumänien, wo die alten kommunistischen Seilschaften weiterregierten. Außerdem misstraute man aus leidvoller Erfahrung den neuen Machthabern, ob nicht die Grenzöffnung nur von kurzer Dauer sein sollte.
Durch den Auszug der Deutschen aus ihren Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa verfielen viele Dörfer und Städte und damit zunehmend auch die deutsche Kultur und Sprache. Trotzdem ist es ein Wunder, dass heute wieder recht beachtenswerte Städte der verbliebenen deutschen Minderheit entstanden.
Durch die neuen Regierungen in den Ostblockstaaten konnten wieder deutsche Vereine, Zeitungen, Parteien, Bildungs- und Kultureinrichtungen gegründet werden, denken wir nur im Bereich der Ungarn- und Rumäniendeutschen, wo viele deutsche Elite-Gymnasien entstanden wie z. Budapest, Fünfkirchen (Pécs) und Siebenbürgen, die mit großem Interesse auch von einheimischen Schülern besucht werden.
Während die deutschen Volksgruppen in Nordschleswig (Dänemark), Eupen-Malmedy (Belgien) vorbildlich den EU-Statuten für Minderheiten entsprechen, lassen die volle Autonomie der Deutschen in Oberschlesien und im Sudetenland noch zu wünschen übrig. Zwar können auch dort deutsche Kulturvereine und Zeitungen gegründet werden, doch bei der Gleichstellung der deutschen Sprache und der Errichtung deutscher Schulen in Polen und Tschechien sieht es noch äußerst dürftig aus. Obwohl Deutsch nach 45 Jahren des Verbots und der Unterdrückung in diesen ehemals deutschen Provinzen wieder erlaubt ist, hat man noch große Ängste bei unseren Nachbarn, ihnen ein gleichberechtigtes Bildungssytem mit eigenen Kindergärten, Schulen und Gymnasien bis auf wenige Ausnahmen zuzubilligen. Hinzu kommen, so in Oberschlesien, wo noch eine sehr starke deutsche Volksgruppe im Raum Oppeln vertreten ist, auch Anschläge auf dortige deutsche Einrichtungen und deutschsprachige Ortsschilder. Auch sind in Tschechien die berüchtigten Benesch-Dekrete und in Polen die Bieruth-Dekrete, welche die Vertreibung und Ermordung Tausender unschuldiger Deutscher, darunter meist Kinder, Frauen und Alte noch immer nicht aufgehoben – und das in einem demokratischen Europa! Anstatt vor ihrer Aufnahme in die EU, die Regierungen Polens und Tschechiens zu veranlassen, diese völkerrechtswidrigen Relikte des „Kalten Krieges“ zu annullieren, wollte man sich aus opportunistischen Gründen seinen Nachbarn gegenüber nicht mit diesen anlegen. Es ist noch viel zu tun, um den deutschen Volksgruppen zu ihrem Recht der gleichberechtigen freien Sprach- und Kulturausübung in ihrer angestammten Heimat zu verhelfen! Etwas mehr Interesse und Mut, die Rechte unserer deutschen Volksgruppen in den heutigen Staaten durchzusetzen, wäre für die Zukunft Europas endlich angebracht!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Manfred Lietzow