IMPRESSUM
SITEMAP
KONTAKT
SUCHE
 
 
Vorwort August

eingestellt am 01.08.2010

 

 

Der 5. August ist für die Heimatvertriebenen ein geschichtsträchtiger Tag. Genau vor 60 Jahren demonstrierten sie vor den Ruinen des zerstörten Stuttgarter Schlosses für eine friedfertige Auseinandersetzung ohne Rache und Gewalt mit den Staaten, aus denen 16 Mio. Deutsche vertrieben wurden und 2 Mio. Deutsche den Tod fanden. Das war fünf Jahre gleich nach dem Kriege ein außerordentlich christlicher und mutiger Akt der Vergebung für alles Leid der durch furchtbare Verluste an Leben und Heimat Betroffenen.

 

Nach 60 Jahren erinnerte sich am 5. 8. 2010 auch ein Teil unserer Politikvertreter an die schon damals sehr fortschrittliche Charta und gedachte ihrer im Rahmen einer gut besuchten Feierstunde im Marmorsaal des wieder aufgebauten Stuttgarter Schlosses mit viel Bundes- und Landesprominenz sowie Vertretern der Vertriebenenverbände. Zusammen mit Fedor Mrozek, dem Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Schleswig-Holsteins, besuchte ich diesen Festakt mit anschließendem Empfang der Landesregierung Baden-Württemberg im Marmorsaal des Neuen Schlosses.

Die Festansprachen der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach, des Innenministers des Landes Baden-Württemberg Heribert Rech wurden mit großem Beifall aufgenommen. Weniger überzeugend wirkte der Vertreter der Kanzlerin Innenminister de Maizière. Er hielt die Forderung der Vertriebenen, den 5. August zum Gedenktag an die Vertreibungen zu erklären, als nicht notwendig mit der Begründung, dieses wäre bereits durch den Volkstrauertag erledigt. Wenig Verständnis fand auch das Anliegen des Bundestagspräsidenten Lammert, die Vertriebenen sollten heute die Integration von Migranten als neue „Vertriebene“ fördern. Kommen denn alle Migranten nur als politische Flüchtlinge nach Deutschland?

Dem Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle wurde kein positiver Empfang bereitet, da man ihm mit Recht nachtrug, mehr die polnischen Interessen als die deutschen wahrzunehmen und manche Satire ihn schon als polnischen Außenminister titulierte. Aber er sagte diesmal nichts. War seine Anwesenheit nur Höflichkeit oder eine indirekte Entschuldigung für seinen ungeschickten Kotau in Warschau?

Als gute Idee und Mahnung an die Zukunft, zeigten sich auf diesem Festakt zwischen den Redebeiträgen die alten Filmaufnahmen über die Vertreibungen der Deutschen zum Ende des Krieges und in der Nachkriegszeit. Die meisten anwesenden Gäste waren selbst Betroffene und bei manch einem, mögen diese Bilder aus der furchtbaren Vergangenheit wieder negative Erinnerungen und Traurigkeit ausgelöst haben.

Insgesamt fand der Festakt mit dem anschließenden Empfang eine positive Resonanz und es bleibt zu hoffen, dass unsere Nachbarn in Polen und Tschechien, die nach 60 Jahren den Vertriebenen noch häufig skeptisch gegenüberstehen, diese nicht mehr als Revanchisten und Faschisten, sondern nun als europäische Partner ansehen. Die Ungarn - ein Vertreter nahm unter großem Beifall ebenfalls am Festakt teil - haben es vorbildlich vor einigen Jahren der Welt gezeigt. Sie entschuldigten sich in Budapest im Parlament öffentlich bei der deutschen Delegation für die Vertreibungen der Ungarndeutschen.

Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ hat schon einiges bei den Nachbarn erreicht, aber leider noch nicht alles. Auch das „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin lässt auf sich warten. Denken wir also weiterhin positiv, vielleicht werden die berechtigten Anliegen der Vertriebenen in den nächsten 60 Jahren erreicht! Dann erleben es wenigstens ihre Enkel noch.

 

Manfred Lietzow

 
 
DRUCKENDRUCKEN
SEITE EMPFEHLENSEITE EMPFEHLEN
IMPRESSUMIMPRESSUM
DATENSCHUTZDATENSCHUTZ