Herzlich willkommen auf der Internetpräsenz der OMV Ostholstein!
An dieser Stelle erscheint zum Monatsanfang und bei aktuellen Anlässen ein Vorwort des Herausgebers.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ein neues Jahr ist angebrochen, das gleich am 24. Januar mit einem historischem Ereignis beginnt. Es gilt den 300. Geburtstag Friedrich II., den die Geschichte mit Recht als den Großen bezeichnet, mit Würde zu begehen. Die OMV Schleswig-Holstein führt an diesem Tage eine „Preußische Tafelrunde“ in der Hermann-Ehlers-Akademie in Kiel mit einem Festvortrag des Vizepräsidenten des BdV Wilhelm v. Gottberg durch über das Leben und Werk Friedrich d. Gr.
Wohl kein preußischer König steht noch heute in der historischen Diskussion wie Friedrich d. Gr. Sowohl im Dritten Reich als auch in der ehemaligen DDR versuchte man diesen seiner Zeit weit voraus denkenden Monarchen eines aufgekärten Absolutismus entweder überschwenglich zu vergöttern oder zu verteufeln.
Erst allmählich setzte sich eine objektivere Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Werk durch. Ihm dem Philosophen, Reformer, Kunst- und Musikliebhaber, hatte man lange die Eroberung Schlesiens und die Zustimmung zur I. polnischen Teilung von 1772 verübelt. Dabei wird vergessen, dass es durchaus dem Zeitgeist entsprach, Kabinettskriege zu entfachen. Ludwig XIV. von Frankreich ist das beste Negativbeispiel dafür. Es wird vergessen, dass Preußen im Gegensatz zu Frankreich, Österreich, England und Russland die wenigsten Kriege in Europa geführt hat, nicht aus Aggressionsgelüsten seinen Nachbarn gegenüber, sondern um den „Flickenteppich“ Brandenburg-Preußen zu vereinen. Dazu gehörte es auch, die nach dem Verlust des II. Thorner Friedens von 1466 von Polen annektierten Gebiete Westpreußens und des Ermlandes als Brücke zwischen Brandenburg und Ostpreußen wieder zu erlangen. Im Übrigen gingen die Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 von Russland aus. Österreich und Preußen mussten sich zwangsläufig anschließen, um nicht leer auszugehen. Auslöser waren die innerpolnischen Wirren und Missstände in Polen.
Die Kriege Friedrich d. Gr. um Schlesien, waren nach der Abtretung Schlesiens nach dem I. Schlesisichen Krieg von 1740 – 42 reine Präventiv- und Selbsterhaltungskriege zum Bestand Preußens. Dank der militärischen Genialität Friedrichs - erinnert sei nur an den großartigen Sieg 1757 bei Leuthen im III. Schl. Krieg, dem „Siebenjährigen“ gegen eine haushohe Übermacht Österreichs oder an seine Siege nach der Niederlage 1759 bei Kunersdorf gegen Österreicher und Russen, die letztlich 1763 zum Frieden von Hubertusburg führten - konnte Schlesien endgültig bei Preußen verbleiben. Die Behauptung Friedrichs gegen eine gewaltige Übermacht aus Österrreichern, Franzosen, Russen, Schweden und Sachsen führte Preußen zur fünften Großmacht Europas.
Vergessen wird häufig die Friedens- und Kulturarbeit dieses großen Königs. So schaffte er schon im Jahr seines Regierungsantritts 1740 die Folter ab. Es folgten das Religionsedikt „Jeder soll nach seiner Facon selig werden“ und die Pressefreiheit („Gazetten sollen nicht genieret werden, wenn sie interessant sein sollen“). Das Recht wurde reformiert und führte 1794 zum „Allgemeinen preußischen Landrecht“. Die Leibeigenschaft wurde gemindert und die Landwirtschaft reformiert. Durch den „Kartoffelbefehl“ von 1756 sollte durch den Anbau der Kartoffeln in Pommern dem Hunger der Bevölkerung entgegengewirkt werden. Schon 1746 wurde das Oderbruch urbar gemacht.
Darüber hinaus zeugen noch heute die kulturellen Errungenschaften von Friedrichs genialem Kunstverständnis: der Umbau von Schloss „Rheinsberg“, sein Lieblingsschloss „Sanssouci“, das „Chinesische Haus“, das Schloss „Neue Kammern“, die „Bildergalerie“, das „Neue Palais“ in Potsdam oder das „Opernhaus Unter den Linden“ in Berlin. Jährlich bewundern weltweit Tausende von Touristen diese Kunstwerke.
Das preußische Erbe Friedrich d. Gr. wurde leider durch meist unfähige Nachfolger, wie schon von seinem Neffen Friedrich Wilhelm II. verspielt. Man ruhte sich auf den Lorbeeren des großen Königs aus, sonst wäre es nicht zur Niederlage 1806 bei Jena und Auerstätt gegen Napoleon gekommen. Wäre Prinz Heinrich der Nachfolger Friedrich d. Gr. geworden, der ihm an militärischer und künstlerischer Begabung gleichwertig war, hätte Preußens Niederlage sicher verhindert werden können.
Heute denken wir mit Achtung und Ehrfurcht an Friedrich d. Gr. und an sein für Preußen geschaffenes Lebenswerk, wenn dieses auch 1945 zerstört und Preußen durch Beschluss der Alliierten dreigeteilt und gegen alles Völkerrecht 1947 aufgelöst wurde. Jedoch die preußischen Werte wie Fleiß, Sparsamkeit und Wahrhaftigkeit sollten auch heute noch in Deutschland und Europa wirken!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Manfred Lietzow